Der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalen (GD NRW) führt im vierten Quartal 2026 im Rahmen der geologischen Landesaufnahme seismische Messungen im nördlichen Münsterland durch. Auch das Gemeindegebiet Wettringen liegt auf der geplanten Messstrecke.
Hintergrund: Erdwärme für NRW
Das Land Nordrhein-Westfalen will den Einsatz von Erdwärme fördern und deren Potenzial bestmöglich nutzen. Erdwärme ist klimafreundlich, regenerativ und regional verfügbar. Sie steht unabhängig von Wind und Wetter rund um die Uhr und das ganze Jahr zur Verfügung und benötigt nur wenig Fläche. Um sie erfolgfreich erschließen zu können, müssen jedoch geeignete Gesteinsschichten im Hintergrund vorhanden sein.

Mit dem Projekt "2D-Seismik Nördliches Münsterland" möchte der GD NRW deshalb genauere Erkenntnisse über den Aufbau des tiefen Untergrundes gewinnen. Von besonderem Interesse sind Sandsteine, die sich potenziell für eine Erdwärmenutzung eignen. Vergleichbare Messungen hat der GD NRW bereits im Rheinland, am Niederrhein, in Ostwestfalen-Lippe und entlang des Westfälischen Hellwegs durchgefphrt; 2025 fand zudem eine Pilotmessung in Steinfurt statt.
Messgebiet und Zeitraum
Das Messgebiet umfasst drei Messlinien in einer Gesamtlänge von rund 180 Kilometern zwischen Geldern und der niedersächsischen Landesgrenze. Betroffen sind insgesamt vier Kreise und 23 Kommunen. Die Messungen beginnen Anfang Oktober und dauern voraussichtlich sieben bis acht Wochen.
So funktioniert das Verfahren
Bei der sogenannten Vibrationsseismik wird der tiefe Untergrund schonend und ganz ohne Bohrungen erkundet. Spezielle Messfahrzeuge („Vibro-Trucks“) übertragen über eine hydraulisch absenkbare Rüttelplatte Schwingungen in den Boden. Die Schallwellen werden von den verschiedenen Gesteinsschichten unterschiedlich stark reflektiert und an der Oberfläche von speziellen Mikrofonen, den Geophonen, aufgezeichnet. Aus diesen Daten erstellen Fachleute anschließend ein zweidimensionales Abbild des Untergrundes – ähnlich einem Ultraschallbild.
Was bedeutet das für Anwohnerinnen und Anwohner?
Die Messungen sollen überwiegend nachts stattfinden. So wird der Straßenverkehr entlastet, und die ruhigere Umgebung verbessert die Qualität der Daten. Durch den sehr langsam fahrenden Messtrupp kann es dennoch kurzzeitig zu Verkehrsbehinderungen wie Straßensperrungen oder Staus kommen.
In unmittelbarer Nähe der Fahrzeuge sind die Schwingungen deutlich spürbar, zudem werden die Motorengeräusche während der Messung lauter. Für Menschen und Umwelt besteht keine Gefahr. Bei der Planung der Messlinien hat der Schutz von Gebäuden und sensibler Infrastruktur – etwa Brücken, Leitungen, Schutzgebiete und Baudenkmäler – oberste Priorität. Speziell geschultes Personal überwacht die Bodenschwingungen, damit die festgelegten Normwerte stets eingehalten werden.
Die Ergebnisse der Untersuchungen werden der Öffentlichkeit frei zur Verfügung gestellt und in der Region vorgestellt. Der GD NRW bittet um Verständnis für mögliche vorübergehende Beeinträchtigungen.
Weitere Informationen und Ansprechpersonen
- Informationen zum Projekt und zum Streckenverlauf: www.geowaerme.nrw.de
- Flyer des GD NRW: hier (es öffnet sich ein PDF-Dokument)
- Fragen zu Grundstücken und Betretungserlaubnissen: IPS Informations & Planungsservice GmbH, Sven Otte, Tel. 05141 977 14 74, seismik@ips-celle.de
- Allgemeine Fragen zum Projekt: Geologischer Dienst NRW, Ingo Schäfer, info@geowaerme.nrw.de
- Fragen zur Durchführung der Messungen: DMT GmbH & Co. KG, Juri Hofmann, sei@dmt-group.com
Bild: © GD NRW

